Ortsbürgermeisterwanderung 2026:
Zu Fuß durch Seifen und Seelbach an der Wied

Ein durchwachsener Himmel, beste Wandertemperaturen und eine gut gelaunte Gruppe lokaler Entscheidungsträger prägten die diesjährige Ortsbürgermeisterwanderung der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld am 22. August 2026. Auf Einladung der beiden gastgebenden Gemeinden Seifen und Seelbach kamen zahlreiche kommunale Vertreter zusammen, um sich auszutauschen, die landschaftlichen Schönheiten der Region zu erleben und tief in die bewegte Geschichte des mittleren Wiedtals einzutauchen.

Ortsbürgermeisterwanderung 2026 | Treffpunkt der eingeladenen Gäste für die Wanderung war das Dorfgemeinschaftshaus „Os Hütt“ in Seifen. | Foto: Yvette Schäck

Treffpunkt der eingeladenen Gäste für die Wanderung war das Dorfgemeinschaftshaus „Os Hütt“ in Seifen. | Foto: Yvette Schäck

Willkommen im Tal: Auftakt an „Os Hütt“

Die Gästeliste spiegelte die Vielfalt und das starke Miteinander der Region wider. Neben den Ortsbürgermeisterinnen, Ortsbürgermeistern und Ortsvorstehern der Verbandsgemeinde waren auch die Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Fraktionsvorsitzende des Verbandsgemeinderats sowie Fachbereichsleitungen der Verwaltung der Einladung gefolgt.

Treffpunkt für die etwa sieben Kilometer lange Route war das Dorfgemeinschaftshaus „Os Hütt“ in Seifen. Hier begrüßten Fred Jüngerich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, Ortsbürgermeisterin Anke Klein, Seelbach und Ortsbürgermeister Torsten Walterschen, Seifen gemeinsam die Teilnehmer. Bei bester Wanderstimmung ging es schließlich los, hinein in eine landschaftlich wie historisch spannende Strecke.

„Es ist eine wunderbare Tradition, die uns hier zusammenbringt. Heute zeigen wir, wie viel Herzblut, Geschichte und ehrenamtliches Engagement in unseren beiden Gemeinden Seifen und Seelbach stecken.“

— Fred Jüngerich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld

Ortsbürgermeisterwanderung 2026 | Der Blick aus der Schutzhütte zeigt eines der drei sanierten Brückenbauwerke der Holzbachtalbahn (ehemals Lappwaldbahn). Vor Ort informiert eine Tafel über den 38 m langen Bahntunnel des Burgbergs und die Fragmente eines früheren Hammermühlen-Tunnels. | Foto: Yvette Schäck

Der Blick aus der Schutzhütte zeigt eines der drei sanierten Brückenbauwerke der Holzbachtalbahn (ehemals Lappwaldbahn). Vor Ort informiert eine Tafel über den 38 m langen Bahntunnel des Burgbergs und die Fragmente eines früheren Hammermühlen-Tunnels. | Foto: Yvette Schäck

Historisches Seifen: Auf den Spuren von Bergbau und Eisenbahn

Ein Teil der Wanderung war der 2023 eingeweihte Themenwanderweg „1. Klasse“, der sich intensiv mit der Seifener Bahngeschichte beschäftigt. Die Dorfgemeinschaft hat diesen Weg komplett in Eigenleistung und mit finanzieller Unterstützung des „Naturparks Rhein-Westerwald“ errichtet. Die Route führte die 46 teilnehmenden Ortsbürgermeister und Gäste über Abschnitte dieses gut beschilderten Weges sowie über Teilstücke des bekannten Wiedwanderwegs und des Westerwaldsteigs. Neben weiten Panoramaausblicken über die Westerwälder Hügellandschaft stand vor allem die Historie im Fokus.

So führte die Strecke auch zum Haltepunkt am „Friedhof Seifen“, wo im vergangenen Jahr die Dachsanierung dank Mitteln des I-Stockes und des großen ehrenamtlichen Engagements der Bürger gelungen ist, und ebenfalls zur neuen, komplett in Eigenleistung errichteten „Schaukelbank“ aus heimischer Lärche mit Panoramaausblick über Seifen, die als Ersatz für den alten, zerfallenen „Pilz“ dient.

Ein prägender Stopp war der historische Bahnhof Seifen, der heute in Privatbesitz ist. Hier erfuhren die Wanderer viel Wissenswertes über die einstige Bedeutung des Ortes als Bahnknotenpunkt. Die sogenannte „Krupp’sche Bahn“ – eine schmalspurige Grubenbahn – verband ab dem späten 19. Jahrhundert die nahegelegene Grube Louise bei Niedersteinebach mit dem Bahnhof in Seifen. Über diese Strecke wurde das wertvolle Eisenerz transportiert und im Bahnhof Seifen auf die Normalspurbahn umgeladen, um seinen Weg in die Hüttenwerke anzutreten. Auch Güter für den täglichen Bedarf der Bergleute fanden so ihren Weg ins Tal.

Kurz vor dem Erreichen des Bahnhofs überraschte ein heftiger Regenschauer die Gruppe. Umso willkommener war die anschließende Rast im gemütlichen Kiosk des Gebäudes. Die Bahnhofseigentümer Tatjana und Heiner Gollmann, die den Kiosk an einigen Tagen der Woche betreiben, bewiesen echte Westerwälder Gastfreundschaft: Sie versorgten die durchnässten Wanderer bestens mit warmen sowie kalten Getränken und Eis, während sie die Pause mit spannenden Geschichten über ihr geschichtsträchtiges Zuhause abrundeten.

„Durch die Förderung des Naturparks konnten wir den Weg mit drei Ruheliegen und einer Panoramatafel aufwerten. Bei gutem Wetter reicht der Blick sogar bis zum Köppel bei Montabaur.“

— Torsten Walterschen, Ortsbürgermeister Seifen

Ortsbürgermeisterwanderung 2026 | Die gemütliche Rast am Kiosk des ehemaligen Bahnhofs Seifen bot den Wanderern die Gelegenheit, tiefer in die geschichtsträchtige Vergangenheit des Gebäudes einzutauchen. | Foto: Michael Schulz

Die gemütliche Rast am Kiosk des ehemaligen Bahnhofs Seifen bot den Wanderern die Gelegenheit, tiefer in die geschichtsträchtige Vergangenheit des Gebäudes einzutauchen. | Foto: Michael Schulz

Vielfältiges Seelbach: Kultur, Natur und starkes Ehrenamt

Nach der stärkenden Pause setzte die Gruppe ihren Weg zum „Roten Haus“ in Seelbach fort. Dabei wurde auch der alte Bahnhof, der damals noch „Bahnhof Flammersfeld“ hieß, kurz thematisiert: Mit seinen sechs Gleisen war er einst ein wichtiger Umschlagplatz, der beispielsweise von der Firma König Krane intensiv genutzt wurde. Zudem siedelte sich dort ein Landhandel an und auch ein Sägewerk profitierte von den idealen Möglichkeiten für den An- und Abtransport.

Die ehemalige Bahnhofsgaststätte entstand nach dem Bahnhofsbau von 1911. Das markante Gebäude ist Sitz eines engagierten Kulturvereins, der mit seinen Veranstaltungen einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben im Wiedtal leistet. Heute nutzt der Kulturverein „Rotes Haus e.V.“ die liebevoll restaurierten Räume für eine Kleinkunstbühne, auf die die Gemeinde stolz ist. Anhand zahlreicher Plakate sahen die Gäste, welche namhaften Künstler hier bereits aufgetreten sind. Der Vorsitzende Hermann Nick bedankte sich bei der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld für die Unterstützung, ohne die viele dieser Kulturveranstaltungen nicht möglich wären.

Im weiteren Verlauf präsentierte Ortsbürgermeisterin Anke Klein das reiche Vereinsleben sowie die laufenden Projekte in Seelbach. Ein fester Pfeiler ist dabei der Wiedbachtaler Hobbyclub, der seit mehr als 50 Jahren besteht, eine hervorragende Nachwuchsarbeit leistet und sein Vereinsheim in der Henry-Hütte hat. Ebenso tief verwurzelt sind die Motorradfreunde Seelbach, die seit über 40 Jahren existieren und durch ihr jährliches Motorradtreffen sowie ihr großes Engagement eine hohe Akzeptanz im Dorf genießen. Für den Naturschutz setzen sich wiederum die „OBSTIS“ ein, die als aktive Obstbauminitiative alte Obstbaumsorten im Gemeindegebiet pflegen. Ganz frisch bereichert zudem der neu gegründete Verein „UNSER Dorf Seelbach/Bettgenhausen e.V.“ die Gemeinschaft. Entstanden aus dem Wunsch, das Dorf noch enger zusammenzubringen und Zukunftsprojekte selbst zu gestalten, zeigt er bereits nach einem halben Jahr vielfältige Aktivitäten.

„Ein wichtiges Infrastrukturthema ist die Sanierung der Kreisstraße 9. Dazu haben wir gemeinsam mit der Ortsgemeinde Flammersfeld bereits gute Gespräche mit dem Landesbetrieb Mobilität und dem Kreis geführt. Da eine Sanierung im Bestand als Ziel ins Auge gefasst wurde, blicken wir zuversichtlich auf die weiteren Planungsschritte und eine zeitnahe Umsetzung.“

— Anke Klein, Ortsbürgermeisterin Seelbach

Ortsbürgermeisterwanderung 2026 | Die ehemalige Bahnhofsgaststätte von 1911 in Seelbach, heute Kulturverein „Rotes Haus e. V.“, bildete die Kulisse für die traditionelle Gruppenaufnahme der Teilnehmer. Zum gemütlichen Ausklang zog die Gesellschaft anschließend weiter zur Henry-Hütte. | Foto: Yvette Schäck

Bürgermeisterwanderung 2026 | Die ehemalige Bahnhofsgaststätte von 1911 in Seelbach, heute Kulturverein „Rotes Haus e. V.“, bildete die Kulisse für die traditionelle Gruppenaufnahme der Teilnehmer. Zum gemütlichen Ausklang zog die Gesellschaft anschließend weiter zur Henry-Hütte. | Foto: Yvette Schäck

Gemütlicher Abschluss: Ausklang in der Henry-Hütte

In der Henry-Hütte wartete ein stimmungsvoller Ausklang auf die Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter, wo der informelle Austausch im Vordergrund stand. Für den anschließenden Grillabend mit einer großen Auswahl an frischen Salaten und kühlen Getränken war die Hütte einladend mit bunten Tischdecken und frischen Blumen dekoriert. Die Organisation von Logistik und Bewirtung übernahmen die beiden Ortsgemeinderäte, die auch für den verlässlichen Shuttleservice sorgten, der die Autofahrer nach der Veranstaltung zurück zu ihren in Seifen geparkten Fahrzeugen brachte.

Das Fazit des Tages fiel durchweg positiv aus: Alle Teilnehmer zeigten sich begeistert von dem abwechslungsreichen Parcours, den herrlichen Ausblicken, den spannenden historischen Geschichten an den einzelnen Stationen und wie modernes Dorfleben durch Gemeinschaft getragen wird. Die Ortsbürgermeisterwanderung 2026 hat einmal mehr bewiesen, wie wichtig und fruchtbar der direkte, unkomplizierte Austausch untereinander für eine starke Verbandsgemeinde ist.

 

Bericht: Yvette Schäck
Fotos: Yvette Schäck und Michael Schulz
Ortsgemeinde Seelbach

 

Die komplette Bilderstrecke der Wanderung ist auf den Internetseiten der beiden gastgebenden Ortsgemeinden Seifen und Seelbach zu sehen unter:

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