NATURGESCHICHTEN

Aus den Altenkirchener forstamtsakten

Herausforderungen der Forstverwaltung, Mensch und Natur

Ein Beitrag von Yvette Schäck

Blick vom Seelbacher Feld auf den Manchertskopf | Foto: Yvette Schäck

DIE ERSTEN NACHKRIEGSJAHRE

AUS DEN ALTENKIRCHENER FORSTAMTSAKTEN

Eine kleine Vorstellung über die Probleme der Forstverwaltung unmittelbar nach dem Krieg
gibt ein Bericht des Regierungsforstamtes Koblenz aus dieser Zeit

1946 | In den kalten Wintern der Nachkriegszeit ist Brennmaterial knapp. Ein Mann versorgt sich mit Brennholz aus den zerbombten Gebäuden. | Foto: Richard Peter, Deutsche Fotothek, Bild /  CC BY-SA | Quelle: Wikimedia Commons

1946 | In den kalten Wintern der Nachkriegszeit ist Brennmaterial knapp. Ein Mann versorgt sich mit Brennholz aus den zerbombten Gebäuden.

Foto: Richard Peter
Deutsche Fotothek, Bild /  CC BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons

„Ungleich schwieriger als die provisorische Verwaltung in den letzten Kriegsmonaten gestaltete sich der Wiederaufbau und die erste Tätigkeit des Regierungsforstamtes nach dem Krieg. Nicht nur das Fehlen von Arbeitskräften, vor allem Fachkräften, erschwerte jede Tätigkeit, sondern auch das Fehlen von Räumen, Büros, Möbeln, Papier, Schreibmaschinen usw.. Dazu kam, daß fast alle Akten verloren oder nicht greifbar und so die wichtigsten Unterlagen über Flächen, Einschlag usw. nicht verfügbar waren. Eine Neubeschaffung dieser für die Verwaltung so notwendigen Dinge scheiterte nicht nur an den schlechten Post- und Telefonverbindungen mit den Forstämtern, sondern auch einfach daran, daß die Forstämter teils gar nicht, teils mit neuen Beamten besetzt waren und daß auch den meisten Forstämtern die wichtigsten Unterlagen fehlten.

Dies alles wirkte sich umso mehr aus, als die Besatzungsmacht ständig in kurzfristigen Terminen Unterlagen, Statistiken und Angaben aller Art in bisher nicht gekanntem Ausmaß forderte und die Durchführung zahlreicher Holzeinschläge anordnete.

Hinzu kamen die überaus schwierigen Aufgaben auf dem personellen Sektor. Viele Beamte waren aus dem Krieg nicht zurückgekommen, bzw. noch in Gefangenschaft festgehalten. Es mussten daher zahlreiche Stellen neu besetzt werden, wobei die Auswahl der Beamten durch die damalige Entnazifizierung sehr erschwert war.“

EINTRÄGE VON 1946 – 1948

HERAUSFORDERUNGEN FÃœR MENSCH UND NATUR

Baumstämme für die Militärregierung Foto: Dr. Weinsheimer Bundesarchiv, Bild 183-S76406 / CC BY-SA Quelle: Wikimedia Commons

1947 | Baumstämme für die Militärregierung: Deutsche Arbeitskolonnen fällen Bäume und bereiten sie für den Transport vor.
Foto: Dr. Weinsheimer
Bundesarchiv, Bild 183-S76406 / CC BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons

1947 | Baumstämme für die Militärregierung: Deutsche Arbeitskolonnen fällen Bäume und bereiten sie für den Transport vor. | Foto: Dr. Weinsheimer, Bundesarchiv, Bild 183-S76406 / CC BY-SA | Quelle: Wikimedia Commons

1947 | Baumstämme für die Militärregierung: Deutsche Arbeitskolonnen fällen Bäume und bereiten sie für den Transport vor.
Foto: Dr. Weinsheimer
Bundesarchiv, Bild 183-S76406 / CC BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons

10. Januar 1946 | Verfügung des Regierungsforstamtes Koblenz 

„Die Militärregierung hat mir eröffnet, daß das erhebliche Zurückbleiben des Holzeinschlages sie veranlassen wird in allen Forstämtern, in denen der Einschlag nicht befriedigt, polnische Arbeitskommandos einzusetzen … Die arbeitsunwillige Bevölkerung ist darüber aufzuklären, was die zwangsweise Einquartierung der polnischen Kommandos in ihren Dörfern bedeuten wird.“

15. Juli 1946 | Erlass des Landesforstamtes

„Die französische Militärregierung hat für den Holzeinschlag 1200 deutsche Kriegsgefangene in Aussicht gestellt, wovon 800 Mann dem Regierungsbezirk Koblenz und Montabaur zur Verfügung gestellt werden.“

29. August 1947 | Landesforstamt Koblenz

„Die Ernährungslage und der Mangel an Futter und Streu für das Vieh machen es zur Pflicht, die Gestattung der Gewinnung von Futterlaub und Laubstreu großzügig zu handhaben. Die Not ist in den meisten Gebieten so groß, dass die bekannten Nachteile dieser Nutzung in Kauf genommen werden müssen.“

 

22. September 1948 | Landesforstamt Koblenz

„Die Bucheckernernte unterliegt nicht mehr der Bewirtschaftung, d.h., jeder Sammler kann seine Ernte auf einer beliebigen Ölmühle für sich ausschlagen lassen. Dies läßt befürchten, daß der Forstverwaltung, selbst bei Bezahlung eines verhältnismäßig hohen Sammlerlohnes, kein Saatgut geliefert wird. Für die dringend benötigte Saatgutmenge werden daher je kg Bucheckern 200 Gramm Margarine oder 160 ccm Öl als Prämie zur Verfügung gestellt.“

 

1946 | Selbstversorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen. Frauen beladen Handwagen mit Brennholz. | Foto: Richard Peter, Deutsche Fotothek, Bild /  CC BY-SA | Quelle: Wikimedia Commons

1946 | Selbstversorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen. Frauen beladen Handwagen mit Brennholz.
Foto: Richard Peter
Deutsche Fotothek, Bild /  CC BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons

1945 | Die Tagesernte gesammelter Zapfen von Kiefern bringen die Zapfenpflücker zu den Forstverwaltungen, die dafür sorgen, dass der Samen aus den Zapfen entfernt wird und zur Aussaat kommt. | Foto: Otto Donath, Bundesarchiv, Bild 183-N0304-306 / CC BY-SA | Quelle: Wikimedia Commons
1945 | Die Tagesernte gesammelter Zapfen von Kiefern bringen die Zapfenpflücker zu den Forstverwaltungen, die dafür sorgen, dass der Samen aus den Zapfen entfernt wird und zur Aussaat kommt.
Foto: Otto Donath
Bundesarchiv, Bild 183-N0304-306 / CC BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons
1950er | Sammeln von Bucheckern Damit in Jahren mit schlechterer Tracht der Natur geholfen werden kann, muss eine Reserve an Saatgut angelegt werden. In der Nachkriegszeit wurde diese Arbeit jedoch stark beeinträchtigt. Aus den Eckern wurde Wurst und Kaffeeersatz hergestellt und das Bucheckernöl fand sowohl beim Kochen als auch als Lampenöl Verwendung. Der auspresste Ölkuchen wurde an die Tiere verfüttert. Um an Saatgut zu kommen, musste sich die Forstverwaltung neue Ideen einfallen lassen. | Foto: Thomas Lehmann,  Bundesarchiv, Bild 183-1983-1108-300 / CC BY-SA | Quelle: Wikimedia Commons
1950er | Sammeln von Bucheckern
Damit in Jahren mit schlechterer Tracht der Natur geholfen werden kann, muss eine Reserve an Saatgut angelegt werden. In der Nachkriegszeit wurde diese Arbeit jedoch stark beeinträchtigt. Aus den Eckern wurde Wurst und Kaffeeersatz hergestellt und das Bucheckernöl fand sowohl beim Kochen als auch als Lampenöl Verwendung. Der auspresste Ölkuchen wurde an die Tiere verfüttert. Um an Saatgut zu kommen, musste sich die Forstverwaltung neue Ideen einfallen lassen.
Foto: Thomas Lehmann
Bundesarchiv, Bild 183-1983-1108-300 / CC BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons
Quellenangaben

HABBEL, Werner: Chronik Forstamt Altenkirchen – Ein Beitrag zur Heimatgeschichte des Kreises Altenkirchen,
Landesforsten Rheinland-Pfalz, Münster 1990, S. 216-219.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors (Telefonat vom 31.03.2015).
Herr Habbel war von 1967 bis 1986 Leiter des Fortsamtes Altenkirchen.

 

 

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