Der Wald im Laufe der Geschichte

In Rheinland-Pfalz hat sich die Waldfläche in den vergangenen 2000 Jahren von vermutlich 90 auf 42,3 Prozent reduziert. Dazwischen lagen aber Zeiträume (Völkerwanderung und Rodungsperioden) in denen die Bewaldung vermutlich gar auf 15 Prozent abgesunken war.

 

Waldentstehung

Im Laufe der Zeit hat der Wald viele Wandlungen erfahren. In der vorgeschichtlichen Zeit waren es lang andauernde Klimaveränderungen, wie zum Beispiel die Eiszeiten, die auf ihn eingewirkt haben.

2000 v. Chr. | Die Buche wandert über die Alpen nach Norden. Zusammen mit der Fichte verdrängt sie in den Mittelgebirgen die Eichenmischwälder Foto: Burkhard Schäck

2000 v. Chr. | Die Buche wandert über die Alpen nach Norden. Zusammen mit der Fichte verdrängt sie in den Mittelgebirgen die Eichenmischwälder
Foto: Burkhard Schäck

Vor 70 Millionen Jahren war der Wald artenreich. Als sich zu den Eiszeiten das Eis über Jahrtausende hinweg in Richtung Süden auf der ganzen Nordhalbkugel von den Polen her ausbreitete, wichen die Baumarten in Europa nach Süden aus, wo jedoch die Alpen den Rückzugsweg in wärmere Gefilde weiter südlich versperrten.

Zwischen den drei Eiszeiten folgten regelmäßig Warmzeiten. Die Baumarten wanderten in diesen Zeiten immer wieder über die Alpen nach Mitteleuropa, allerdings kehrte nur ein Bruchteil der früheren Waldflora zurück. Den klimatischen Verhältnissen entsprechend siedelten sich die einzelnen, noch heute vorhandenen Baumarten nacheinander an. So wanderten in der Tundrazeit (15000-10000 v. Chr.) die Birke und die Kiefer ein, die an das zunächst noch raue Klima gut angepasst waren. Es folgte die Haselzeit (7000 v. Chr.), dann die Eichenmischwaldzeit (4000 v .Chr.) und schließlich die Buchenzeit (2000 v. Chr.).

Die Buche verlor in den Wäldern allmählich an Bedeutung. Mit der Industrialisierung und der sogenannten Reinertragswirtschaft begann dann der Siegeszug der Nadelhölzer, insbesondere der Fichte im ausgehenden 19. Jahrhundert.

 

Interaktion Wald-Mensch im Laufe der Zeit

1559 | Schiffsbau in Spanien Kupferstich von Theodor de Bry Quelle: Wikimedia Commons

1559 | Schiffsbau in Spanien
Kupferstich von Theodor de Bry
Quelle: Wikimedia Commons

Allerdings haben nicht nur die Mächte der Natur, sondern auch die Menschen durch Viehzucht, Ackerbau und feste Siedlungen die Ausdehnung des Waldes beeinflusst. Auch die Schiffsflotten der Kolonialmächte verschlangen Unmengen an Holz. So wurden für ein englisches Schiff im Schnitt 5.000 Kubikmeter Holz verbraucht.

Im Mittelalter und nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) konnte der Wald aufgrund von Seuchen, Hungersnöten und Abwanderung der Bevölkerung vorübergehend wieder Besitz von den gerodeten Flächen und verlassenen Dörfern nehmen.

Für die wachsende Bevölkerung und den Wiederaufbau der Dörfer und Städte wurde immer mehr Brenn- und Bauholz benötigt. Vor allem die Nutzung von Waldstreu (Strohersatz in den Ställen), welcher besonders Mitte des 18. Jahrhunderts praktiziert wurde, entzog dem Waldboden Nährstoffe. Im Herbst zog das ganze Dorf mit Vieh und Wagen in den Wald, um Streu zu holen. Dabei wurden nicht nur Laub, Gras und Kräuter gesammelt, sondern auch der Graswuchs abgeplagt und samt Wurzelwerk und anhängendem Humusboden nach Hause gefahren. Weiterhin erlangte die Gewinnung von Rinde junger Eichen zum Gerben von Leder eine größere Bedeutung. Dies alles machte auf Dauer das Nachwachsen des Waldes unmöglich und führte zu ausgedehnten Heideflächen, wie man sie im 19. Jahrhundert in großem Umfang auch im Westerwald antraf.

1440 | Jäger fällen Bäume zur Herstellung von Fallen The J. Paul Getty Museum - Los Angeles Mit freundlicher Genehmigung des Getty's  Open Content Program

1440 | Jäger fällen Bäume zur Herstellung von Fallen
The J. Paul Getty Museum – Los Angeles
Mit freundlicher Genehmigung des Getty’s
Open Content Program

Es wurde immer schwieriger nicht nur den Bau- und Brennholzbedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken, sondern vor allem auch die vielen Berg- und Hüttenwerke mit der nötigen Holzkohle zu versorgen. Zur Verhüttung einer Tonne Eisen wurden z. B. im 17. Jahrhundert etwa 8 Tonnen Holzkohle benötigt, zu deren Herstellung das Holz von etwa einem Hektar Niederwald verkohlt werden musste.

Das Waldbild wurde dadurch sehr verändert. In der Zeit von 1750 bis 1850 war der Wald in Deutschland nahezu zerstört. Die Streuentnahme (Entnahme von Laub, Heidekraut und Ginster zur Einstreu im Stall an Stelle von Stroh) verhinderte die Humusbildung, entzog dem Wald Nährstoffe und führte zur Devastierung des Waldbodens.

Doch die Landesherren erkannten die Gefahr. Auch ihre jagdlichen Interessen wurden durch die Waldverwüstungen beeinträchtigt. So ergingen Forstordnungen, die die bisher willkürliche und regellose Nutzung des Waldes einschränkten, unter anderem:

  • Holzeinschlag nur zu bestimmten Zeiten
  • Verwendung von Eichen nur als Bauholz, nicht als Brennholz, nicht zur Herstellung der Lehmgeflechte an Fachwerkbauten oder von Fassreifen
  • Verbot der Errichtung von Holzzäunen, stattdessen Anlegung von Gräben oder lebenden Hecken
  • Pflanzung so vieler junger Bäume (Herbst) wie Rindvieh pro Familie vorhanden war
  • Ersatz von einem geschlagenen Baum durch 3 neue Eichen
1950er | Kiefernzüchtung Für die Züchtung von Kiefern ist eine besondere Bodenvorbereitung notwendig. Um eine gute Durchmengung des Bodens zu gewährleisten, wird die zu kultivierende Fläche von Baumstümpfen befreit. Die dadurch entstehenden Löcher werden mit Roh-Humus aufgefüllt, wieder eingeebnet und bepflanzt. Foto: Klein Bundesarchiv, Bild 183-S91771 / CC-BY-SA Quelle: Wikimedia Commons

1950er | Kiefernzüchtung
Für die Züchtung von Kiefern ist eine besondere Bodenvorbereitung notwendig. Um eine gute Durchmengung des Bodens zu gewährleisten, wird die zu kultivierende Fläche von Baumstümpfen befreit. Die dadurch entstehenden Löcher werden mit Roh-Humus aufgefüllt, wieder eingeebnet und bepflanzt.
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Foto: Klein
Bundesarchiv, Bild 183-S91771 / CC-BY-SA
Quelle: Wikimedia Commons

Der Mensch nahm Einfluss auf das Vorkommen und das Mengenverhältnis der einzelnen Baumarten. Die vorstehend geschilderten starken Eingriffe in den Wald führten zu einem lichten Baumbestand. Die Buche verlor zu Gunsten der durch Stockausschlag leichter nachwachsenden Eichen und Hainbuchen und der sich leicht ansamenden Birke immer mehr an Boden. Durch die Übernutzungen und Missbräuche waren zahlreiche Blößen und Heideflächen entstanden, deren Aufforstung notwendig, aber mit Laubholz schwierig war. So begann man Mitte des 18. Jahrhunderts die ertraglosen Wald- und Heideflächen mit den leichter anzubauenden Nadelhölzern, in unserem Raum vorwiegend der Fichte, aufzuforsten.

Siehe auch
Nebennutzungen im 19. Jahrhundert

 

Der Wald heute in Rheinland-Pfalz

Quelle: Landesforsten RLP

Quelle: Landesforsten RLP

In Rheinland-Pfalz sind rund 840.000 Hektar mit Wald bedeckt. Trotz anderer Landnutzungen (vor allem Siedlung und Verkehr) bleibt Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Hessen das Bundesland mit dem höchsten Waldanteil von 42,3 Prozent an der gesamten Landesfläche.

Im rheinland-pfälzischen Wald wachsen gut eine halbe Milliarde (531 Millionen) Bäume über 7 Zentimeter Brusthöhendurchmesser. Das entspricht 658 Bäumen pro Hektar oder 133 Bäumen pro Einwohner.

Bei der ersten Bundeswaldinventur im Jahr 1987 waren Laub- und Nadelwald noch etwa gleich stark vertreten. Seitdem hat der Laubwaldanteil um etwa 10 Prozent zugenommen und liegt damit bei fast 60 Prozent; der Nadelwaldanteil hat dagegen um etwa 10 Prozent abgenommen und liegt damit bei knapp 40 Prozent (Stand 2012).

Rheinland-Pfalz hat mit 20,2 Prozent bundesweit den höchsten Eichenanteil. Beim Buchenanteil liegt unser Land mit 21,8 Prozent auf Platz zwei (Bundesdurchschnitt 15,4 Prozent).

Waldumbau auf der Äppelswies zum naturnahen und stabilen Mischwald durch Vorausverjüngung mit Buche Foto: Burkhard Schäck

Waldumbau auf der Äppelswies zum naturnahen und stabilen Mischwald durch Vorausverjüngung mit Buche
Foto: Burkhard Schäck

Deutliche Flächenverluste verzeichnet die Fichte mit minus 13 Prozent. Dies ist Folge eines gewollten und aktiv eingeleiteten Waldumbaus zu mehr Naturnähe, sowie zur Stabilisierung und Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Beschleunigt wurde die Entwicklung durch große Schäden, wie durch die Orkane Kyrill (2007) und Xynthia (2010).

In den nächsten 30 bis 40 Jahren sollen im Staatswald von Rheinland-Pfalz Laubbäume 2/3 der Fläche einnehmen. Der Erfolg des Waldumbaus und des anhaltend stabilen Trends zu mehr Laubbäumen zeigt sich besonders deutlich im Jungwald (77 Prozent Laubbaumanteil stehen 23 Prozent Nadelbaumanteil gegenüber). Damit kann auch ein Beitrag zur Bereitstellung von benötigtem Nadelholz aus heimischen Wäldern geleistet werden.

 

Die Leistungen eines Baumes sind imposant!

Buchenkrone im Herbst Foto: Landesforsten RLP | Richard Hansen

Buchenkrone im Herbst
Foto: Landesforsten RLP | Richard Hansen

  • Ein Baum produziert täglich 12 Kilogramm Traubenzucker
  • Ein Baum pumpt im Jahr 30.000 Liter Wasser von der Wurzel in die Blätter
  • Ein Baum produziert im Jahr 3 Millionen Liter Sauerstoff, soviel wie 22 Menschen in einem Jahr verbrauchen
  • Sein Holz heizt ein Einfamilienhaus einen Monat lang
  • In einer Hand voll Waldboden leben mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde
  • Die Regenwürmer produzieren auf 10.000 Quadratmeter (entspricht 1 Hektar) in einem Jahr 60 Tonnen wertvollen Humus

 

 

Quellenverzeichnisse

HABBEL, Werner: Chronik Forstamt Altenkirchen. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte des Kreises Altenkirchen,
Landesforsten Rheinland-Pfalz, Münster 1990, S. 1-4.

MINISTERIUM FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT, ERNÄHRUNG, WEINBAU UND FORSTEN: Landesforsten Rheinland-Pfalz |
URL: http://www.wald-rlp.de/index.php | Abgerufen: 25. März 2015