Zustände auf dem Kommandozug

Mit Beginn des Westfeldzuges im Mai 1940 traten die ersten Schwierigkeiten für den Sonderzug „Heinrich“ auf. Da der Zug sich räumlich vom Führerhauptquartier Felsennest getrennt befand, wurde aufgrund der eigenen Sicherheit die Anzahl der Offiziere, der Mannschaft und des Personals stetig aufgestockt. Zeitweise verrichteten weit über 600 Leute für den Zug ihren Dienst.

Mannschaft auf dem Sonderzug "Heinrich" Quelle: Hans-Josef Hansen, Privatarchiv

Mannschaft auf dem Sonderzug „Heinrich“ (annähernde Anzahl)
Quelle: Hans-Josef Hansen, Privatarchiv

Das Wohnen und Arbeiten während der heißen Tage wurde besonders unangenehm, die Hitze in den Wagen war bei Außentemperaturen von fast 30°C schier unerträglich. Der Reichsaußenminister von Ribbentrop hatte als Einziger eine Bademöglichkeit; die übrige Mannschaft, die sich nicht im Dienst befand, flüchtete ins Freie. Die Männer erkundigten sich bei den Seelbacher Dorfkindern, wo die besten Badestellen an der nahgelegenen Wied waren, woraufhin diese die Soldaten zur Geisaue führten und mit ihnen schwimmen gingen.

1940-1941 | Der Keller vom Sägewerkbesitzer Ferdinand Sohnius diente als Kühlraum für Lebensmittel des Ministerzuges „Heinrich“ während der Aufenthalt auf dem Bahnhof in Seelbach.
Archiv: Sohnius
Repro: Wilfried Klein

Dort wo es keine Flüsse gab, waren die hygienischen Umstände verheerend. Im einzigen Speisewagen aßen früh, mittags und abends etwa 120 Personen. Die Arbeiter der Reichsbahn verrichteten Schmutzarbeit, andere dagegen, wie Küchen- und Bedienungspersonal benötigten Sauberkeit. Ohne eine Bademöglichkeit, wurde der Zug stets zu einer Quelle von Infektionskrankheiten.

In einem privaten Haus, unweit des Sägewerks, gab es einen kühlen Keller. Die Zugbesatzung fragte in der Nachbarschaft, ob diese Räume von ihnen genutzt werden dürften. Der Hausbesitzer genehmigte dies und hatte somit den schönen Vorteil von den Speisen täglich etwas abzubekommen.

Die Stromversorgung war nicht vollständig gewährleistet. Wenn Sonderzüge ihre festen Abstellplätze und damit die Ortschaften mit Stromanbindung aus dem Ortsnetz verließen, waren sie auf die Herstellung eigenen elektrischen Stromes angewiesen, dazu wurde jedoch ein „Maschinenwagen“ mit Stromaggregaten benötigt. Solch einen Wagen bekam der „Heinrich“ allerdings erst Jahre später.

Da im Mai 1940 niemand mit einem langen Kriegsverlauf gerechnet hatte, war eine Wintersicherung des Zuges auch nicht vorgesehen.

 

Quellenverzeichnisse

HANSEN, Hans-Josef: Privatarchiv

HANSEN, Hans-Josef: Felsennest – Das vergessene Führerhauptquartier in der Eifel.
Bau, Nutzung, Zerstörung, 2. Auflage, Helios Verlag, 2008

SOHNIUS, Werner: Mündliche Überlieferungen

SCHMIDT, Gerda: Mündliche Überlieferungen

 

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