Werner Sohnius: „Mündliche Überlieferungen“

Der Zeitzeuge Werner Sohnius (*06. Juli 1930;22. März 2018) aus der Ortsgemeinde Seelbach/Wied,
Sohn des damaligen Sägewerkbesitzers Ferdinand Sohnius, erzählt seine Erlebnisse als junger Knabe während des Aufenthalts des Sonderzuges „Heinrich“ auf dem Bahnhof Flammersfeld in Seelbach.

Der Leiter des Ministerbüros von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop Erich Kordt
erwähnt das Sägewerk in seinem Bericht so: „Der Bahnhof lag etwas abgelegen vom nächsten Ort,
dicht neben einem Sägewerk und schien hauptsächlich für Holztransporte bestimmt zu sein.“

Sohnius Erinnerungen sind hier themenweise zusammengetragen. Sie stammen von Januar 2016.
Eine kurze Beschreibung (mit Bildern) des Sägewerks, sowie des Landhandels Sohnius
am Bahnhof Flammersfeld finden sich hier:
Sägewerk Sohnius und Landhandel Sohnius.

 

Juni 1940 | Dorfbewohner mit Soldat vor der Fieseler Storch auf die Äppelswiese
Archiv: Sohnius
Repro: Burkhard Schäck

Die Fieseler Storch ist nur ein einziges Mal in Seelbach gelandet und blieb für etwa 1 ½ Stunden. EEs war ein riesiges Ereignis. Viele Dorfbewohner kamen zum Landeplatz gelaufen um die Flugmaschine zu bestaunen und sich mit ihr ablichten zu lassen.
Die Maschine kam von Südwest und flog wieder Richtung Südwest ab. Da sich am Ende der Startstrecke eingezäunte Gemüsegärten befanden, blieb das Fahrgestell des Flugzeuges an einem Gartenpfahl hängen und nahm diesen ein stückweit mit in die Luft. Der Pfahl fiel dann kurz darauf aus der Höhe auf die Wiese. Die Fieseler Storch gewann an Höhe, überflog das Sägewerk und verschwand als kleiner Punkt am Himmel.“

Der Kommandozug ‚Heinrich‘ ist aus Richtung Au/Sieg gekommen, nicht von Linz am Rhein. Ich befand mich beim Einlaufen des Zuges beim Spielen in der Ortschaft Obererbach, bei dem Pflichtjahr-Mädchen Hanna Schäfer, welches Dienst auf dem Sägewerk meines Vaters in Seelbach absolvierte. Wir Kinder beobachteten erstaunt den außergewöhnlich langen Zug als er durch die Ortschaft rollte.“

1940-1941 | Die Kinder in Seelbach zeigten den Soldaten die besten Badestellen an der Wied.
Rechts: Werner Sohnius
2. von links: Pflichtjahr-Mädchen Hanna Schäfer
Archiv: Hanna Clemens, geb. Schäfer
Repro: Wilfried Klein

Ich wurde von meinen Lehrern in der „Höheren Stadtschule für Jungen“ in Altenkirchen aufgefordert, dem Reichsführer SS Himmler [1] Blumen zu bringen. Zusammen mit andere Kinder aus dem Dorf überbrachten wir sie ihm und durften dabei für zwei Schritte in den Zug einsteigen. Himmler las täglich seine Zeitung auf einem Waggon, welcher sich auf dem Abstellgleis des Sägewerkes befand. Ich grüßte immer freundlich, bekam jedoch niemals den Gruß erwidert.“

„Das Wachpersonal des Zuges wollte von mir wissen, wo die besten Badestellen der nahgelegene Wied waren, woraufhin ich die Soldaten zur Geisaue führte und mit ihnen baden ging.“

„In meinem Elternhaus gab es einen kühlen Keller. Da es in der Jahreszeit bereits sehr heiß war, fragte die Zugbesatzung, ob dieser Raum von ihnen genutzt werden dürfe. Meine Eltern sagten dies zu und hatten dadurch den schönen Vorteil von den Speisen täglich etwas abzubekommen.“

„Niemand hielt es damals für möglich, dass der Krieg verloren werden würde.“


[1] Die Anwesenheit von Heinrich Himmler auf dem Bahnhof Flammersfeld in Seelbach lässt sich heute jedoch nicht nachweisen.

 

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