Unser Wald

Waldverteilung in Rheinland-Pfalz Grafik: Landesforsten RLP

Waldverteilung in Rheinland-Pfalz
Bild: Landesforsten RLP

 

 

In Rheinland-Pfalz steht pro Einwohner mehr Wald zur Verfügung als im Bundesdurchschnitt. Pro Kopf entfallen rechnerisch 2.100 Quadratmeter Wald. Rheinland-Pfalz ist mit 42,3 Prozent Waldanteil gemeinsam mit Hessen das waldreichste Bundesland.

 

 

 

* Bundeswaldinventur Quelle: Landesforsten RLP

* Bundeswaldinventur
Quelle: Landesforsten RLP

 

Waldentwicklung

Der Wald hat im Laufe der Geschichte viele Wandlungen erfahren. Klimaveränderungen (Eiszeiten), Völkerwanderungen, Kriege und Naturkatastrophen haben die Ausdehnung des Waldes beeinflusst.

Westerwaldsteig | Etappe Waldbreitbach – Strauscheid Foto: Anke Klein

Westerwaldsteig | Etappe 15 Strauscheid – Waldbreitbach
Von der Aussichtkanzel der Weißenfelser Lei im Wiedtal
Foto: Anke Klein

Vor 70 Millionen Jahren war der Wald sehr üppig und artenreich. Seine Besiedlung bewirkte zu Anfang nur kleine Veränderungen. Aufgrund von schwieriger Rodung und Angst vor Überfällen durch Raubtiere und feindliche Stämme, wurden die ersten festen Siedlungen mit Viehzucht und Ackerbau vor allem in offene Waldgebiete gebaut (Bronzezeit, 1700 v. Chr.).

Die Römer drängten, in den von ihnen besetzten Gebieten im westlichen Deutschland (2. Jahrhundert v. Chr. – 3. Jahrhundert nach Chr.), den Wald ein gutes Stück zurück. Platz wurde in der Nähe von Flüssen und Heerstraßen für das Anlegen von Städten, Gutshöfen, Äcker und Weiden benötigt.

Die Völkerwanderungen im 2. bis 5. Jahrhundert bewirkten eine Erholung des Waldes, die jedoch mit einer ersten Rodungsperiode in den Jahren 500-800 zu Ende ging. Eine zweite große Rodungsperiode war um 1100 bis 1300. Die Siedlungen drangen mehr in den Urwald ein und erschlossen ihn. Gegen Ende dieser Zeit war etwa die Verteilung von Feld und Wald erreicht, die heute noch im Wesentlichen das Bild der Landschaft bestimmt.

1568-1625 | Jan Brueghel der Ältere: „Frequentierte Waldstraße“ Quelle: Wikimedia Commons

1568-1625 | Jan Brueghel der Ältere: „Frequentierte Waldstraße“
Quelle: Wikimedia Commons

Im Mittelalter, zwischen den Jahren 1250 und 1650, konnte der Wald sich infolge von Pest, Hungersnöten, Krieg und Abwanderung der Bevölkerung regenerieren. Danach begann erneut eine Rodungsperiode.

Durch die Verminderung der Fläche waren Holzversorgung und Weidenutzung im Wald nicht mehr für alle gewährleistet. Außerdem erpressten Heerführer große Holzlieferungen zum Unterhalt der Soldaten und zu ihrer eigenen Bereicherung. Erste Rodungsverbote wurden gegen Mitte des 18. Jahrhunderts erlassen und die Nutzung des Waldes durch Holzverordnungen geregelt.

Durch die Übernutzung entstanden Blößen und Heideflächen. Die Aufforstung des Waldes begann man in unserem Raum vorwiegend mit Fichten und war in den letzten 100 Jahren besonders umfangreich.

Siehe auch
Der Wald im Laufe der Geschichte
Nebennutzungen des Waldes im 19. Jahrhundert

 

Das Forstamt Altenkirchen

Das Forstamt Altenkirchen erstreckt sich über die Südwesthälfte des Kreises AItenkirchen und umfasst mit einer Ausdehnung von 20 x 37 km das Gebiet der Verbandsgemeinden Altenkirchen, Flammersfeld, Hamm und Wissen. In diesem Gebiet werden zirka 10.700 Hektar Staats-, Körperschafts- (Kommunal- und Interessentenwald) und Privatwald vom Forstamt bewirtschaftet oder betreut.

Siehe auch
Die Eigentümer der Wälder in Rheinland-Pfalz

 

Aus Gemeinschaftswald wurde Privat- und Interessentenwald

1550 | Simon Bening: „Zweigesammeln“ The J. Paul Getty Museum - Los Angeles Mit freundlicher Genehmigung des Getty's  Open Content Program

1550 | Simon Bening: „Zweigesammeln“
The J. Paul Getty Museum – Los Angeles
Mit freundlicher Genehmigung des Getty’s
Open Content Program

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die von den Dorfbewohnern gemeinsam genutzten Allmendewaldungen (meist unbewegliches Gut wie Wege, Wald, Gewässer zur Löschwasserversorgung, etc.) als Gemeindewald angesehen und erst um 1870 durch Gerichtsentscheidungen den Interessentenschaften als Eigentum zugesprochen. Fast alle damals bestehenden Interessentenschaften des Forstamtes Altenkirchen wollten ihren Wald in Privateigentum der einzelnen Interessenten aufteilen. Doch dieses Vorhaben wurde durch das Gesetz von 1881 unterbunden. Die Aufteilung kam nur in wenigen Interessentenschaften zur Durchführung. Bettgenhausen gehörte dazu, Seelbach dagegen nicht.

Dies erklärt warum „Kleinprivatwald“ (Bettgenhausen) und die historische Eigentumsform „Waldinteressenten“ (Seelbach) in der Ortsgemeinde gleichzeitig vertreten sind.

 

Die Frage nach der Rechtsform

1830 | Pater Chrysostomus Sandweger Ausschnitt eines Wandgemäldes im Pfarrhof am Josefsberg (Österreich) Archiv: Pfarrhof Josefsberg

1830 | Pater Chrysostomus Sandweger
Ausschnitt eines Wandgemäldes im Pfarrhof am Josefsberg (Österreich)
Archiv: Pfarrhof Josefsberg

Die Waldinteressentenschaft ist eine Form des Waldeigentums und zählt zum Körperschaftswald, obwohl diese Waldbesitzart mehr dem Privatrecht angehört. Das Landesforstgesetz von Rheinland-Pfalz zählt sie unter dem Begriff „Gemeinschaftswald“. Rechtlich darf sie nur gemeinsam bewirtschaftet werden und ist im Grundbuch verankert. Die Waldberechtigten bilden eine Bruchteilsgemeinschaft, in der der einzelne Anteilsinhaber nicht über einzelne Parzellen des Waldes eigenständig verfügen kann. Das ideelle Eigentum spricht jedem Anteilsinhaber Nutzungsrechte, insbesondere Brennholzrechte zu.

Die Eigentümerversammlung wählt aus ihrer Mitte einen Waldvorsteher und einen Vorstand. Diese führen die laufenden Geschäfte. Ein Mitgliederwechsel findet nur statt, soweit es zur Veräußerung oder Vererbung von Miteigentumsanteilen kommt. Von diesem Wechsel der Mitglieder ist der Waldbestand der Interessentenschaft unabhängig.

Der gemeinsame Waldbesitz eines Dorfes wurde im 18. Jahrhundert ursprünglich nach Anzahl der Feuerstellen („Räuche“ = Häuser) von den Landesherren auf die Dorfbewohner aufgeteilt. So erhielten zum Beispiel in Seelbach 15 Feuerstellen 15 Anteile.

Siehe auch
Geschichte der Interessentenwaldungen
Zustand des Kleinprivatwaldes

 

Das Leiden der Wälder in Kriegszeiten

Kriegs- und Nachkriegszeiten haben den Wäldern immer viel abverlangt.

1917 | Soldaten durchqueren ein Waldgebiet Foto: Frank Hurley Quelle: Wikimedia Commons

1917 | Soldaten durchqueren ein Waldgebiet
Foto: Frank Hurley
Quelle: Wikimedia Commons

  • Die napoleonischen Feldzüge mit den Zwangslieferungen von Holz für Kriegs-, Festungs- und Schiffsbauzwecke am Anfang des 19. Jahrhunderts;
  • die Zwangslieferungen an die Franzosen allein aus dem Staatswald des Regierungsbezirks Koblenz von 193.600 Festmeter Holz nach dem ersten Weltkrieg und
  • die Anordnung von Zusatzhiebe der französische Militärregierung nach dem zweiten Weltkrieg in den Jahren 1946 bis 1949 bedeutete in Rheinland-Pfalz rund 3,4 Millionen Festmeter Holz die an französische, dänische und belgische Firmen zwangsverkauft werden musste,

stellten die deutsche Forstverwaltung vor sehr schwere Aufgaben.

Der Interessentenwald blieb jedoch von diesen Zwangseinschlägen verschont, da es hier kaum Bestände mit den geforderten Dimensionen und Mengen gab. Die meisten Umwandlungsbestände waren 1946 kaum 50 Jahre alt. Zur Versorgung der Bevölkerung mit Bau- und Brennholz fanden aber auch im Interessentenwald erhöhte Holzeinschläge statt.

Siehe auch
Zusatzhiebe im Staatswald nach dem zweiten Weltkrieg
Splitterschäden durch Bomben und Granaten
Die ersten Nachkriegsjahre: Zitate aus den Altenkirchener Forstamtsakten

 

 

Quellenverzeichnisse

HABBEL, Werner: Chronik Forstamt Altenkirchen. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte des Kreises Altenkirchen,
Landesforsten Rheinland-Pfalz, Münster 1990, S. 55-60, 85-86.

MINISTERIUM FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT, ERNÄHRUNG, WEINBAU UND FORSTEN: Landesforsten Rheinland-Pfalz |
URL: http://www.wald-rlp.de/index.php | Abgerufen: 24. März 2015

WIKIPEDIA: Waldinteressentenschaft | Stand: 09. September 2013
URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Waldinteressentenschaft | Abgerufen: 20. März 2015

WIKIPEDIA: Allmende | Stand: 03. März 2015
URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Allmende | Abgerufen: 21. März 2015